Veröffentlicht am 9. Februar 2026, 15.17 Uhr

Sprachliche Präzision und tiefgründige Themen – Szenische Lesung zum Rilke-Jubiläumsjahr

Stefan Schwarzmüller (li.) und Thomas Kuhn setzten das bewegte Leben und literarische Schaffen Rainer Maria Rilkes angemessen in Szene (Foto: Sonja Colling-Bost).

Gut hundert Zuhörer waren in die Stadtbücherei St. Ingbert gekommen, um einen ganz besonderen Literaturabend zu erleben. Petra Oberhauser und Jürgen Bost konnten im Rahmen der langjährig bewährten Kooperation zwischen der KEB Saarpfalz und dem St. Ingberter Literaturforum die Pfälzer Literaturkenner Thomas Kuhn und Stefan Schwarzmüller ein weiteres Mal als souveräne Gestalter eines literarischen Abends begrüßen.

Um das bewegte Leben und literarische Schaffen Rainer Maria Rilkes angemessen in Szene zu setzen, gingen die beiden Literaturkenner von einem fiktiven Gespräch in einem Verlagshaus aus. Stefan Schwarzmüller präsentierte als ambitionierter Autor eines weiteren Rilkebuchs in diesem Jubiläumsjahr dem Verlagslektor Thomas Kuhn seine persönliche Würdigung des Weltliteraten. Er verband dabei geschickt wichtige Erkenntnisse mit unnützem Wissen und zitierte immer wieder Texte dieses so bedeutenden modernen Lyrikers.

In ihren unterhaltsamen Dialogen ließen die Protagonisten des Abends nicht nur die Sonette und Elegien Rilkes für sich selbst sprechen. Sie zitierten auch aus seinem meisterhaften Großstadtroman „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge” und ließen ebenso nicht unerwähnt, dass die Erzählung um den jungen Cornet (Fahnenträger) Rilke nur deshalb zum Bestseller werden konnte, weil sie im Ersten Weltkrieg zum Marschgepäck aller Soldaten gehörte.

Kuhn und Schwarzmüller zeichneten ein facettenreiches Lebensbild des 1926 recht jung verstorbenen Autors. In Rilkes unsterblichen Versen, so Kuhn, paaren sich Weisheit und Schönheit auf der immerwährenden Suche nach Liebe. Rainer Maria Rilke schreibe „aus der tiefsten Stelle des menschlichen Herzens”.

Der Abend begann mit dem berühmten Gedicht über den Panther im Pariser Jardin des Plantes, einer eindringlichen Metapher für Gefangenschaft und Isolation und den Verlust von Freiheit und Lebenskraft. Beim Nachzeichnen des verschlungenen Lebenswegs des Dichters betonten Kuhn und Schwarzmüller besonders die rastlose Wanderschaft und intensive Wahrnehmung, die Rilkes Schreiben auszeichnet. Er verwandele Wahrnehmung und Beobachtung in reine Sprache und erreiche auch bei tiefgreifenden Themen höchste Präzision im Ausdruck. Ein besonderes Schlaglicht fiel dabei auf seine enge Beziehung zu Frankreich – er war Sekretär Rodins und verfasste auch Texte in französischer Sprache. Hervorgehoben wurde auch das ambivalente Verhältnis des Schriftstellers zu den Frauen, die gleichermaßen als Mäzeninnen wie als „Brennstoff für seine Dichtung” gelten durften.

Rainer Maria Rilke gilt immer noch als führender Vertreter der literarischen Moderne und beeinflusst sogar die Popkultur bis hin zu Lady Gaga. Eine kleine Auswahl seiner bekannten unsterblichen Texte, die immer noch Kalender und Lesebücher füllen, rundete den Abend ab. Langer Beifall belohnte dessen Gestalter. Das dem Autor so eigene tiefe Schauen hinter Dinge, Tiere wie den Panther im Käfig und natürlich Menschen, wurde, so stellte Kuhn am Ende fest, durch ein „inniges und gespanntes Zuhören” seitens ihres Auditoriums belohnt. Als nächste literarische Persönlichkeit werde sich das Duo in diesem Jahr Hermann Hesse widmen.

ILF-Sprecher Jürgen Bost entließ die Besucher nicht, ohne auf die nächste Veranstaltung des Literaturforums hinzuweisen. Am Mittwoch, dem 25. Februar 2026, werden die beiden Psychologinnen Corinna Hartmann und Tanja Michael ihr Buch „55 Fragen an die Seele – wie sie tickt und was ihr Halt gibt” vorstellen.

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