Veröffentlicht am 29. Januar 2026, 17.46 Uhr

Musikalische Lesung mit Hans Bollinger

Immer wieder griff der Künstler in die Saiten, um das Gelesene und Erzählte angemessen musikalisch zu untermauern. (Foto: Sonja Colling-Bost)

Der Pädagoge, Musiker und Autor Hans Bollinger war auf Einladung des St. Ingberter Literaturforums bereits zum dritten Mal Gast in der Stadtbücherei St. Ingbert, wo er im Rahmen einer musikalischen Lesung seinen aktuellen Titel “Wir Nachkriegskinder” präsentierte. In diesem Buch entfaltet er ebenso heiter wie facettenreich vor der Kulisse seines Heimatdorfes Wörschweiler die bewegende Geschichte seines Heranwachsens. Persönliches und historisches Bildmaterial unterstützte zudem seinen Vortrag in der Bibliothek.

Bollinger, Jahrgang 1949, hebt darin immer wieder drei wesentliche Elemente hervor: Die Wärme des Elternhauses, die Erfahrung seines Naturerlebens und die anrührend geschilderte Begegnung mit Menschen aus seinem persönlichen Umkreis. Sie alle gaben ihm Halt und ermöglichten ihm Erfahrungen, die sein weiteres Leben prägten. Hier spannt sich der Bogen von seiner Tätigkeit als Lehrer mit den Fächern Musik und Religion, seiner Funktion als Leiter des Gesamtschule Gersheim und danach des ökologischen Bildungszentrums Spohns Haus bis hin zu seinem Engagement als Künstler.

Bollinger war Mitbegründer und Kopf der Musikgruppe Espe, die von 1976 bis 1993 durch europaweite Auftritte mit jiddischen und demokratischen Liedern bekannt war, und auch Mitglied des Nerother Wandervogels. Seine Gitarre hatte ihn selbstverständlich auch nach St. Ingbert begleitet, und immer wieder griff der Künstler in die Saiten, um das Gelesene und Erzählte angemessen musikalisch zu untermauern.

Das von ILF-Sprecher Jürgen Bost moderierte Publikumsgespräch kreiste vor allem um das Nachwirken der NS-Diktatur in seinen Kinderjahren, das Erleben der Sondersituation des Saarlandes, die Verbundenheit mit der besonderen Musikrichtung des europäischen Judentums und der Fahrenden sowie das Spannungsverhältnis von Dorfleben und globalisierter Welt. Als bewegendes Finale der Veranstaltung interpretierte Hans Bollinger noch das 1943 im Wilnaer Ghetto entstandene Lied “Mir lebn ejbig” (“Wir leben ewig, wir sind da”), das den verzweifelten und geschundenen Menschen Mut machen sollte.

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