A-
A+
Kontrast ändern


News

Fotos: Faragone

Selbstbildnis als Unteroffizier

Alte Bäuerin

Bildnis Benno Baruch

Bildnis Levier

Schnitterin

04.02.2020

Fünf neue Kunstwerke für die Albert-Weisgerber-Sammlung

Die Albert-Weisgerber-Stiftung kann ihre bedeutende Sammlung um fünf herausragende Werke des St. Ingberter Malers Albert Weisgerber bereichern. Es handelt sich bei der jüngsten Neuerwerbung um den bislang umfangreichsten Ankauf der Stiftung. Der Ankauf ist ein besonderer Glücksfall.

Bereits im vergangenen Jahr wurden der Albert-Weisgerber-Stiftung aus Münchner Privatbesitz mehrere Ölgemälde des Malers Albert Weisgerber angeboten.

Unter den Gemälden befindet sich u.a. auch das letzte noch in Privatbesitz befindliche Selbstbildnis Albert Weisgerbers, das den Künstler als Unteroffizier in Uniform zeigt.

Privat erworben wurde das dunkeltonige Bild, das Weisgerber als Halbfigur darstellt, bereits zu Lebzeiten des Künstlers von dessen ersten Mäzen und Freund Ludwig Prager. Seit mehr als hundert Jahren befand es sich zusammen mit weiteren Weisgerber Bildern als sorgsam gehüteter Schatz in Familienbesitz. Der Stiftung bot sich jetzt die einmalige Gelegenheit, das Selbstbildnis zusammen mit vier weiteren Werken für die St. Ingberter Sammlung zu sichern.

Einen ausgesprochenen Zugewinn erfährt die hiesige Sammlung auch durch den Ankauf zweier herausragender Werke, die Weisgerbers Abkehr von der dunkeltonigen Ateliermalerei und seine neue Faszination für die malerischen Problemstellungen des Impressionismus nachdrücklich erkennen lassen. Das Bild "Alte Bäuerin" (1901), eine erste Auseinandersetzung mit der Freilichtmalerei, entstand vermutlich bei einem Aufenthalt im bayerischen Regen. Weisgerber kehrte im Sommer 1901, nach Beendigung der Akademiezeit, dem intensiven Münchner Künstlerleben den Rücken, um mit seinem Malerfreund Gino de Finetti im Bayerischen Wald in der Stille der Natur zu malen. Verbindungen zur Münchner Malerei der "Neu-Dachauer" sind sichtbar.

Weisgerbers Hinwendung zu einer impressionistischen Bildauffassung erfuhr in dem Gemälde "Junge Bäuerin" (1904) sogleich einen glanzvollen Höhepunkt. Die brillante Darstellung einer Schnitterin mit Kopftuch, weißer Bluse und gelbbrauner Schürze besticht durch eine kraftvolle, energiegeladene Malerei, deren großartige Lichtführung, der jungen Frau im gleißendem Sonnenlicht durch das bewegte Licht- und Schattenspiel eine nahezu feierliche Wirkung verleiht. Das Werk darf zweifellos mit zu den Spitzenwerken des Malers gezählt werden.

Darüber hinaus konnte die Stiftung auch zwei herausragende Porträts für die Sammlung erwerben. Eines davon ist das "Bildnis des Malers Levier", das Weisgerber 1906 in Paris malte. Mit finanzieller Unterstützung durch die satirische Münchner Wochenzeitschrift "Jugend" hielt sich Albert Weisgerber von 1905 bis 1907 mit Unterbrechungen in Paris auf, um die französische Kunst am Ort ihrer Entstehung zu studieren. In der französischen Hauptstadt, dem Zentrum des revolutionären Kunstgeschehens, suchte er die Begegnung und den Austausch mit anderen Künstlern und gehörte zum legendären Pariser Künstlerkreis des "Café du Dôme", einem von Malern dominierten Künstlertreffpunkt. Das Bildnis Alfonso Leviers lässt deutlich Weisgerbers Auseinandersetzung mit der französischen Kunst erkennen. Wie schon in München konzentrierte sich der Maler insbesondere auf Porträts – so schuf er vor allem Bildnisse der mit ihm in Paris verweilenden Künstlerfreunde. Das halbfigurige Porträt des italienischen Malerkollegen, der in München, Paris und Wien tätig war, offenbart spürbar Weisgerbers Bewunderung für die Werke Edouard Manets, dessen Gestaltungsweise auf Weisgerber vorbildhaft wirkte. Auch das 1910 entstandene "Bildnis Benno Baruch", das Ludwig Pragers 1916 verstorbenen Schwager darstellt, lässt in Koloristik und dem sparsamen flächigen Farbauftrag den Einfluss der französischen Kunst sichtbar werden. Die Begegnung mit Frankreich führte Weisgerber zur Farbe, ohne dass dieser seine Verwurzelung in der Münchner Malerei preisgab. So verband Weisgerber aus Sicht namhafter Kunsthistoriker die große Tradition der französischen Farbkunst mit der deutschen Malkultur, was die Brückenfunktion des Saarpfälzers zwischen München und Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterstreicht.