Veröffentlicht am 11. September 2026, 16.29 Uhr

Historische Bildwelten kritisch betrachtet: Simon Matzerath stellte sein Buch „Inszenierung der Nation“ in der Stadtbücherei St. Ingbert vor

Auf großes Interesse stieß die Lesung mit dem Historiker, Archäologen und Denkmalpfleger Simon Matzerath am Donnerstag, 10. September, in der Stadtbücherei St. Ingbert. In einem Bildvortrag stellte Matzerath sein aktuelles Sachbuch „Inszenierung der Nation“ vor, welches im St. Ingberter Conte Verlag erschienen ist. Im Mittelpunkt des Buches steht der lange verschollene Gemäldezyklus des Malers Anton von Werner aus dem 1944 zerstörten Altsaarbrücker Rathaus. Die monumentalen Gemälde thematisieren den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und die Reichseinigung. Matzerath, der von 2016 bis 2024 das Historische Museum Saarbrücken leitete und heute das Landesdenkmalamt Saarland führt, gab den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in die Geschichte der Gemälde und ihre aufwendige Wiederherstellung.

In seinem Vortrag zeigte er, wie die durch unsachgemäße Lagerung stark beschädigten Werke restauriert und ihre ursprüngliche malerische Qualität wieder sichtbar gemacht werden konnten. Dabei spannte er den Bogen von der Wiederentdeckung der Gemälde über die Restaurierung und digitale Rekonstruktion des ehemaligen Ratssaals bis hin zur Frage, wie die Werke künftig präsentiert werden können.

Gleichzeitig setzte sich Matzerath kritisch mit der Aussagekraft der Historienmalerei auseinander. Die Gemälde vermitteln ein stark patriotisch geprägtes Geschichtsbild und zeigen, wie Geschichte im Kaiserreich inszeniert und für die nationale Identitätsbildung genutzt wurde. Damit berührt das Thema auch aktuelle Fragen der Erinnerungskultur, Geschichtspolitik und des Umgangs mit nationalistischen Bildwelten. Die Veranstaltung machte deutlich, welchen Beitrag historische Quellen zur Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit leisten können. Im anschließenden Austausch wurde unter anderem über nationale Identität, Ausgrenzung und die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft diskutiert.

Das Literaturforum St. Ingbert setzt sein Veranstaltungsprogramm im Herbst fort. Am Donnerstag, 29. Oktober, stellt Ferdinand Knauß seinen Essayband „Der gelähmte Westen“ vor. Weiter geht es am Mittwoch, 4. November. Dann steht in Kooperation mit der KEB Saarpfalz Hermann Hesses Lebenswerk im Mittelpunkt. Am 10. November präsentiert Stefan Friedrich sein Buch „Von der Cowboyband zur Bergkapelle“.

Autor Simon Mazerath bei der Präsentation seines Buches „Inszenierung der Nation“ in der St. Ingberter Stadtbücherei

Foto: Jürgen Bost

 

 

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