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v.l.n.r.: Marco Bour, Mitarbeiter ABBS, Gerd Lang, Stabsstellenleiter Gewässer- und Hochwasserschutz, und der zuständige Beigeordnete Markus Schmitt an einer Retentionsmulde (Foto: Florian Jung).

10.08.2022

Retentionsmulden sorgen für Entlastung bei Starkregen

„Mit einfachen, relativ kostengünstigen Maßnahmen kann man bei Starkregen schon viel bewirken“, erklärt Gerd Lang, Stabsstellenleiter Gewässer- und Hochwasserschutz. Denn die Themen Starkregen und Hochwasser beschäftigen Bürger wie Stadtverwaltung seit der Katastrophe im Ahrtal noch mehr. So wird überall in der Stadt nach natürlichen Stellen gesucht, in denen ablaufendes Wasser versickern kann. Bestes Beispiel ist die Straße „An der Kohldell“. Bei Starkregen läuft an deren tiefster Stelle Wasser vom Waldfriedhof herunter und überschwemmt schlimmstenfalls die Keller der anliegenden Häuser.

Um diese Gefahr einzudämmen, wurde eine erste natürliche Mulde am Waldweg mit Drosselklappen versehen, so dass sich das Wasser hier etwas länger stauen kann. Wenige Meter darunter wurde ein Abflussrohr aus dem Wald unter dem Weg hindurch in eine zweite Mulde verlegt, die das Wasser auffängt und versickern lässt. Und auf dem Friedhofsparkplatz wurde ein Grünstreifen zu einer Retentionsmulde umgestaltet: Bordsteinstücke wurden tiefer gelegt und die Mulde wurde gedrosselt, so dass sich das Wasser auch hier sammeln und versickern kann. Am Rande des Parkplatzes an der Straße staunen Bürger und Passanten nicht schlecht über eine ungewöhnliche, etwa 50 Zentimeter breite Absenkung des Bordsteins – hiermit wurde dem Wasser der Weg in Richtung Mulde ermöglicht. Einfache, aber geniale Möglichkeiten, das Wasser stufenweise in natürliche Becken zu leiten, wo es versickern kann. Die drei Mulden fassen insgesamt etwa 7.000 Kubikmeter Wasser – vor denen sind die im „Tal“ gelegenen Häuser schon einmal geschützt.

„Vollständiger Schutz ist bei Starkregen nicht möglich, weil Zeitpunkt, Ort und Menge einfach unvorhersehbar sind“, erklärt Markus Schmitt, Beigeordneter für nachhaltige Stadtentwicklung. Aber St. Ingbert nutze seine geografischen Gegebenheiten, um die Bürger so gut wie möglich zu entlasten, so Schmitt. Ähnliche Retentionsmulden gibt es bereits am Kleberweiher, an der Straße „An der Kolonie“ und im Betzental zwischen Parkplatz und Autobahn. Außerdem gibt es weitere Möglichkeiten: Im engen Kontakt mit der Autobahngesellschaft und den Forstbetrieben sucht er nach weiteren Versickerungsmulden im Bereich Südstraße und Oberwürzbach. „Und in der Innenstadt fungiert mittlerweile durch Erhöhung der Rückstauebene die Gustav-Clauss-Anlage als großes Rückhaltebecken mit einem Volumen von 25.000 Kubikmeter“, fügt er hinzu.

So wird im Laufe der nächsten Zeit in der Kombination aus Hochwasserpegel-Sensoren an den St. Ingberter Bächen, einer Starkregenkarte, die derzeit in Entwicklung ist, und den vorhandenen und neuen Retentionsbecken ein System entstehen, das die Bürger entlastet. Dennoch sind auch alle Bürger und Hausbesitzer aufgefordert, an ihren Grundstücken selbst nach Möglichkeiten der Versickerung von Wasser zu suchen und diese umzusetzen. Dazu gehören möglichst große Versickerungsflächen im Garten, Fallrohre, die in eine Zisterne, eine Regentonne und Geländemodellierungen, die an bekannten Schwachstellen das Eindringen von Wasser verhindern oder verzögern können.