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25.07.2022

Im Fokus: St. Ingbert der 60er-Jahre

Die 60er-Jahre waren in der Bundesrepublik eine Zeit des Aufbruchs und des Optimismus. Zwar wurde die Berliner Mauer gebaut (1961), und in Asien tobte der aus der Alltagssicht vieler Menschen weit entfernte Vietnam-Krieg (1955–1975), aber insgesamt hatte man das Wirtschaftswunder 50er-Jahre im Rücken, Studentenbewegung und sexuelle Revolution versprachen den Menschen freiheitlicheres Denken und die Film- und Musikbranche boomte.

Im Saarland war diese Aufbruchsstimmung besonders zu spüren, wurde es doch am 5. Juli 1959 als 11. Bundesland vollwertiges Mitglied der Bundesrepublik Deutschland. Ministerpräsident Franz Josef Röder verkörperte politisch das konservativ katholische Weltbild der Mehrheit der Saarländer. Im Bereich der Wirtschaft galt es nun, der Konkurrenz bundesdeutscher Unternehmen standzuhalten. Überall wurde gebaut, das Verkehrswegenetz wurde ausgeweitet, in St. Ingbert wurde die Autobahn A6 gebaut. Zwar musste die St. Ingberter Grube 1957/59 schließen, doch die Montanindustrie stellte noch niemand infrage, wenngleich Erdöl nun als die Ressource der Zukunft galt.

Erich Isenhuth dokumentiert St. Ingbert durch die Linse

Diese positive Stimmung fangen die Fotos des St. Ingberter Fotografen Erich Isenhuth auf. 1923 in Thüringen geboren kam Isenhuth nach dem Krieg an die Saar und arbeitete ab den 50/60er-Jahren als Pressefotograf für die Saarbrücker Landeszeitung, 1972 wechselte er in die Staatskanzlei und wurde zum ständigen fotografischen Begleiter des Ministerpräsidenten. Entstanden ist eine umfassende Sammlung vornehmlich dokumentarischer Fotos, die uns jedoch die Zeit der 60er-Jahre sehr gut näher bringen. Die Fotos, die seine Arbeit für die Staatskanzlei abbilden, liegen im Landesarchiv in Saarbrücken. Doch Isenhuth arbeitete auch nach Ende seiner professionellen Karriere weiter, seine Fotos wurden in der Presse, in Ausstellungen und Büchern präsentiert. Schon zu Lebzeiten vermachte Erich Isenhuth einen Großteil seines fotografischen Werkes an das Stadtarchiv St. Ingbert. Er starb 2010 im Alter von fast 87 Jahren in St. Ingbert.

Im Archiv lagern seit 2001 nunmehr mehr als 100.000 Negative, von denen man bei vielen nicht einmal wusste, was darauf zu sehen ist. Es schien ein Fass ohne Boden, diese Sammlung zu sortieren und für die Nachwelt zugänglich zu machen. Während der Coronapandemie schrieb dann die Bundesregierung das Programm „Neustart Kultur“ aus, für das sich das St. Ingberter Stadtarchiv bewarb und den Zuschlag bekam. Mit diesen Mitteln hat das Team bereits über 80.000 Negative digitalisiert.

Einen kleinen Teil von etwa 50 Fotoabzügen stellt das Stadtarchiv derzeit in einer Ausstellung in der Rathausgalerie aus. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie die St. Ingberter in den 60er Jahren gelebt, gearbeitet, gefeiert, getanzt und gelacht haben. Sie wecken nicht nur Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, sondern sind auch für junge Menschen ein ausdrucksstarkes Zeugnis ihrer Heimatstadt und damit ihrer Wurzeln. Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer erfreut sich täglich an den interessanten Bildern aus der Geschichte St. Ingberts: „Das ist ein sehr spannender Blick auf unsere Stadt. Vieles scheint vergangen, anderes hat sich kaum verändert. Wir haben mit der Digitalisierung der Fotos Erich Isenhuths wichtige historische Dokumente für die Nachwelt erhalten. Einen großen Dank dafür an die Mitarbeiter des Stadtarchivs.“

 

Ein Besuch dieser Zeitreise lohnt sich!

 

Ausstellungsinformationen
Ausstellung bis 26. August 2022
Rathausgalerie im 1. Stock
Öffnungszeiten: Mo, Di, Mi von 8.00 bis 16.00 Uhr, Do von 8.00 bis 18.00 Uhr, Fr von 8.00 bis 12.00 Uhr
Der Eintritt ist kostenlos