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Foto: Thomas Bastuck

17.11.2021

Albert-Weisgerber-Stiftung erwirbt Original-Briefe und privates Foto des Künstlers

Zwei bisher verloren geglaubte Briefe und ein privates Foto des 1878 in St. Ingbert geborenen Künstlers Albert Weisgerber tauchten im September auf einer Auktion in Krefeld auf und wurden von der Albert-Weisgerber-Stiftung erworben. „Die Briefe sind für uns von unschätzbarem Wert, weil sie ein aufschlussreiches Zeugnis ablegen von dem schillernden Künstlerleben, das Weisgerber und seine Freunde in München geführt haben“, erzählt Andrea Fischer, Kuratorin der Albert-Weisgerber-Stiftung. Vermutlich stammen sie aus der Sammlung des St. Ingberter Unternehmers und Kunstsammlers Franz Josef Kohl-Weigand, der den saarpfälzischen Malern Albert Weisgerber, Hans Purrmann und Max Slevogt besondere Aufmerksamkeit widmete.

Nachweis für ausschweifendes Künstlerleben und Interesse an der Avantgarde

Das Foto ist wohl ein Abzug aus den 1960er Jahren und zeigt Weisgerber und fünf namentlich bekannte Freunde aus St. Ingbert in lustiger Runde. Ein guter Hinweis darauf, dass der Künstler zu seinen St. Ingberter Jugendfreunden besten Kontakt gehalten hat, denn es wurde beim Fotografen Zeiger in St. Ingbert aufgenommen, dem Vorgänger des Fotografen Hönemann.

Einer der in deutscher Kurrentschrift verfassten Briefe aus dem Jahr 1902 ist an Rudolf Levy adressiert, einen deutschen Expressionisten und engen Freund Weisgerbers. Zusammen mit dem Pfälzer Hans Purrmann schienen die Künstlerfreunde die Bohème in München wahrlich zu genießen: „… so muß ich vor allem erwähnen, daß wir so gut gestellt sind und uns mindestens jede Woche einmal eine Bowle leisten können. Von Italien Reisen, Gebirgspartien, Isartalausflügen verbunden mit ländlichen Schlemmereien gar nicht zu reden.“ [sic] Die Worte dieses Briefes lassen vermuten, dass er in angeheitertem Zustand geschrieben wurde. Zudem enthält der Brief einen Hinweis darauf, dass Weisgerber aus Protest gegen die Ablehnung des etablierten Glaspalastes auch Plakate ausstellen zu dürfen, dem traditionellen Ausstellungsort den Rücken kehrte und in der „Phalanx“ ausgestellt hat. Hierbei handelt es sich um eine von Wassily Kandinsky gegründete avantgardistische Münchner Künstlergruppe. Für die Kunsthistoriker ein weiterer Beleg dafür, dass Weisgerber ein sehr fortschrittlicher Künstler und der Avantgarde-Bewegung gegenüber offen war. Dieser Brief ist die einzige verfügbare Quelle, die dies belegt.

Im zweiten, deutlich kürzeren Brief aus dem Jahr 1901, bestätigt der Künstler den Empfang einer Geldsumme von Hermann Kahn, Mäzen und Förderer von Weisgerber aus St. Ingbert, der offenbar ein Bild von ihm erworben hatte. Auch dies ein Hinweis darauf, dass der dem turbulenten Künstlerleben Münchens sehr zugetane Weisgerber den Kontakt zu seiner Heimatstadt nicht abgebrochen hat.

„Das ist ein toller Tag für St. Ingbert. Anhand dieser Briefe und des Fotos lernen wir Albert Weisgerber als Menschen näher kennen. Es ist ein kultureller Schatz für unsere Stadt“, freut sich Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer. Das Foto und die Briefe werden nun in säurebeständigen Schachteln im Archiv aufbewahrt und eventuell auf einer der geplanten Ausstellungen gezeigt.

Auf der Homepage der Albert-Weisgerber-Stiftung unter https://albertweisgerber.de/ werden sie in der Rubrik „Archiv“ aufgenommen.