Das Biosphärenreservat Bliesgau auf dem Weg zur Null-Emissions-Region

Das UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau ist Modellregion für nachhaltige Entwicklung. Dieser Fakt wurde der Region nun nochmals beschieden und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Region wird an dem Bundesförderprogramm "Masterplan 100% Klimaschutz" teilnehmen. Ziel ist es, die Region zu einem Null-Emissions-Gebiet zu entwickeln. Aus über 200 Bewerbern wurde der Bliesgau als eine von 20 Kommunen / Regionen ausgewählt. Damit steht der Bliesgau in einer Reihe mit Städten wie Hannover, Frankfurt, Flensburg, Rostock, Heidelberg oder Kempten. Die eingereichte Projektvorlage hat großes Lob erfahren. Aus Berlin war sogar zu hören, dass der eingereichte Antrag als Referenz bei der Prüfung anderer Anträge verwendet wurde.  

Im Rahmen des Förderprogramms wurde der für die Region höchst mögliche förderfähige Gesamtaufwand in Höhe von ca. 640.000 Euro - ohne einen Cent Abzug - anerkannt. Davon kommen über eine halbe Million Euro als Zuschuss (ca. 512.000 Euro) aus Berlin. Der Rest wird von dem kommunalen Netzwerk, bestehend aus den Städten Sankt Ingbert und Blieskastel, den Gemeinden Kirkel, Kleinblittersdorf und Gersheim sowie dem Saarpfalz-Kreis beigesteuert.  

Da es sich um ein rein kommunales Programm handelt, wurde die Stadt Sankt Ingbert angefragt, die Federführung zu übernehmen. Die Mittelstadt verfügt über vielfältige Erfahrungen in diesem Bereich. So wurde bereits vor Jahren  eine Energiestudie erstellt. Viele Maßnahmen daraus wurden schon realisiert, wie zum Beispiel der Ausbau von Nahwärmeinseln.  

Doch was genau passiert nun eigentlich?  

Zunächst soll ein Konzept für die Region erstellt werden, der so genannte Masterplan 100%. Dieser Plan soll der Region den Weg für zukünftiges Handeln aufzeigen und als

Entscheidungsgrundlage für weitere kommunale Maßnahmen dienen. In einem ersten Arbeitspaket werden hierzu umfangreich Daten erhoben und eine Analyse der gesamten Region vorgenommen. Der Bliesgau hat im Gegensatz zu anderen Regionen oder größeren Städten die Besonderheit, dass alle regenerativen Energiepotenziale untersucht werden können, von Photovoltaik oder Wasserkraft über Biomasse bis hin zur Windkraft. Einzelmaßnahmen oder bestehende Denkansätze sollen nun in ein Gesamtkonzept überführt werden. Vorliegende Studien und Gutachten aus den einzelnen Kommunen werden miteinbezogen und über die Gemeindegrenzen hinweg neu betrachtet und analysiert. Denn Klimaschutz hört nicht an der Gemarkungsgrenze auf, sondern muss gemeinsam gedacht werden! Und das ist eines der Ziele des Programms: In einem Netzwerk zusammen den Weg hin zu einer erheblichen Reduzierung der Treibhausgase zu erreichen. Einerseits soll Energie eingespart und andererseits gleichzeitig selbst produziert werden, um sich so langfristig unabhängiger von äußeren Einflüssen zu machen.    

Liegt die Analyse vor, soll in einem gemeinsamen Dialog mit allen Akteuren aus Öffentlichkeit, Politik, Wirtschaft und vor allem den Bürgern, Maßnahmen entwickelt werden, um die aufgezeigten Stärken zu stärken. Durch konkrete Projekte sollen die ehrgeizigen Ziele erreicht werden. Alle Ergebnisse werden in dem Masterplan festgehalten und dienen der Region als Leitlinie in dem immer bedeutender werdenden Aufgabengebiet Klimaschutz. Insgesamt dauert das Programm 4 Jahre.  

Es gibt also viel zu tun. Es muss vieles koordiniert, vieles angestoßen und vor allem viel Überzeugungs- und Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden. Denn nur wenn von der Privatperson bis hin zum Firmenchef jeder von der Idee überzeugt ist, kann das Ziel, energieautark zu werden, erreicht werden. Mit dieser wichtigen und sensiblen Aufgabe soll ein für die ganze Region zuständiger Klimaschutzbeauftragter betraut werden. Die Personalkosten sind in der Förderung enthalten. Der  Koordinator handelt auf der Grundlage der Ergebnisse des Masterplans und nach Vorgaben eines Klimarates, der aus Vertretern aller beteiligten Kommunen besteht. So soll gewährleistet werden, dass stets alle Interessenlagen berücksichtigt werden und jeder gleichen Einfluss auf den zu entwickelnden zukünftigen Weg hat.  

Zum 1. Januar 2013 wurden die Arbeiten zur Erstellung des Masterplans begonnen.

Näheres:

Dr. Hans-Henning Krämer
Tel. 06894-13738

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